Matchtelegramm:

 

BCO Alemannia Basel - FC Gelterkinden 3:3 n.V.; 1:4 n.P. (2:2; 1:1). Sportplatz: St. Jakob-Anlagen (Kunstrasen). Zuschauer: 40. Schiedsrichter: Mehmet Gecici (Muttenz). Tore: 1. Ari 0:1, 4. Döbelin 1:1; 56. Wirz (Foulpenalty) 2:1, 77. Waibel 2:2; 105. Ari 2:3, 112. Buchholz 3:3.

 

BCO Alemannia: Hardegger; Hug, Wirz, Meier, Ansmann (84. Kübli); Schielly (66. Stebler); Buchholz, von Rohr, Grassi (54. Bachofer), Pol; Döbelin.

 

Gelterkinden: Recher; Sachithananthan, Grieder, Di Biase (59. Waibel), Pierer; Weitnauer, Fiechter; Käser (91. Shabani), Ari, Burckhardt (18. Schreiber); Tschopp.

 

Bemerkungen: Gelterkinden ohne Dalhäuser, Hirschi, Vogt (alle verletzt), Rauch (krank), Belser, Moser, Rickenbacher (abwesend), Saladin (nicht eingesetzt). Verwarnungen für BCO Alemannia: Bachofer und Pol (beide wegen Foulspiels). Verwarnungen für Gelterkinden: Recher (Foulspiel). Pfostentreffer: 26. Weitnauer, 90.+4 Grieder. Gelterkinden die letzten 7 Minuten zu zehnt (Ari muss verletzt vom Platz).

Penaltyschiessen: Weitnauer 0:1, Wirz (Recher hält), Tschopp 0:2, Meier 1:2, Shabani 1:3, Buchholz (verschiesst), Grieder 1:4.

 

Gelterkinden mit viel Mühe gegen Viertligisten

Erst im Elfmeterschiessen gelingt es Zweitligist Gelterkinden, sich gegen das zwei Klassen tiefer spielende BCO Alemannia durchzusetzen. Weil man  zweimal einen Vorsprung aus der Hand gibt und zahlreiche Chancen ungenutzt bleiben, wird es ein sehr langer Abend...  

 

Wie lauten Sie, die gängigsten Floskeln, wenn es um Cupspiele zweier Teams geht, die einige Ligen trennen? "Der Cup hat eigene Gesetze", zum Beispiel. Auch wird jeder Trainer eines Teams, das gegen einen "Unterklassigen" antritt, seinen Spielern vor dem Match mitgeben, dass ein frühes Tor für sie ihre Aufgabe extrem erleichtern werde. Vor allem letzteres wird bei der Partie Gelterkindens gegen Viertliga-Vertreter BCO Alemannia aber schon bald ad absurdum geführt. Denn obwohl der Zweitligist schon mit dem ersten Torschuss, dies noch ehe der Sekundenzeiger auch nur eine Umdrehung geschafft hat, in Führung geht, wird dieses Spiel für den FCG alles andere als ein Spaziergang. Schon drei Minuten nach der Führung wird klar, dass es sich bei BCO Alemannia – immerhin Leader seiner 4.Liga-Gruppe (Punktemaximum nach fünf Spielen!) – um ein sehr starkes Team handelt. Athletisch durchaus auf der Höhe, spielerisch alles andere als limitiert, gut eingestellt und voller Selbstvertrauen – so präsentiert sich das Heimteam. Dass der ultraschnelle und sehr schmale Kunstrasenplatz, auf welchem man kaum Zeit hat, ein gepflegtes Aufbauspiel aufzuziehen, seinen Teil dazu beiträgt, dass Gelterkinden über 120 Minuten sehr grosse Mühe hat, sich durch- und resultatmässig abzusetzen, ist nicht von der Hand zu weisen.

 

Viele lange Zuspiele – wenige Kombinationen

 

Es ist augenfällig, wie die Spieler von Jonas Uebersax bald den Mut und den Glauben daran verlieren, den Alemannen-Abwehrriegel mit Flachpasskombinationen zu knacken und es in der Folge fast ausschliesslich mit weiten und hohen Bällen versuchen. Trotzdem müssten sie  die Partie eigentlich in der zweiten Viertelstunde, ihrer besten Phase, entscheiden. Tschopp und Schreiber vergeben in bester Abschlussposition, Weitnauer köpfelt an den Pfosten und einmal kann ein Ball noch kurz vor der Torlinie weggeschlagen werden. Danach entwickelt sich das Geschehen folgendermassen: Gelterkinden ist überlegen, mehr am Ball, ohne aber – eigentlich bis tief in die Verlängerung – zu hochkarätigen Möglichkeiten zu kommen. BCO Alemannia seinerseits nimmt jede Gelegenheit zu kontern wahr, und ist dabei oft sehr gefährlich. Ein solcher, schnell vorgetragener Gegenangriff ist es auch, der den Gastgebern die 2:1-Führung beschert. Als Recher, zu zögerlich beim Hinauslaufen, einen Angreifer im Strafraum nur noch mit einem Foul bremsen kann, verwertet Wirz den Elfmeter sicher.

 

Gelterkinden verpasst es, den Torhüter der Basler mehr unter Druck zu setzen. Dieser erweist sich zwar als reaktionsschnell auf der Linie und zeigt einige gute Paraden, ist aber sehr "fangunsicher" bei Weitschüssen (beim 2:2-Ausgleich verwertet Waibel einen solchen Abpraller!) und bei hohen Flanken. Trotzdem werden die Hereingaben (inklusive Standards) selten bis nie auf Hardegger gezogen. Als den Gästen kurz vor Ablauf der ersten Hälfte der Verlängerung, das gelingt, was seit der vierten Spielminute angestrebt, aber nie erreicht wurde, nämlich in Führung zu gehen, scheint die Partie entschieden zu sein. Die hochmotivierten Basler aber haben auch darauf eine Antwort – und sich ganz offensichtlich auf einen langen Montagabend eingestellt…     

 

Dass Gelterkinden den Einzug in den Achtelfinal doch noch schafft, ist zwei Tatsachen geschuldet: zum einen ist es das, was das Team halt einfach in jedem Spiel auszeichnet, nämlich das "Nie-Nachlassen" und "An-sich-Glauben", zum anderen verwerten die vier Gelterkinder Schützen ihre Elfmeter eiskalt. Immerhin da zeigt sich ein mehr als deutlicher Klassenunterschied.


19.09.2017/Heinz Degen